Interview: Coach Jan Kistenmacher vom FSV 63

Jan Kistenmacher, ist als echter Norddeutscher im Norden viel herumgekommen, ehe es ihn südlich zum FSV 63 Luckenwalde zog. Flensburg 08 II, MSV Neuruppin, Union Neuruppin, Pritzwalker FHV, SV Waren und Rostocker FC waren seine bisherigen Stationen als Trainer. Aktuell ist er Coach des Tabellenführers der Oberliga Süd. Der Inhaber der UEFA-A-Lizenz klopft mit seinem Team also an das Tor zur Regionalliga.


FSV 63 Coach – Jan Kistenmacher

Herbstmeister der Oberliga Süd mit klarem Ziel vor Augen

Im letzten Jahr ist der FSV 63 knapp am Aufstieg vorbeigeschlittert und musste beim Gang in die 4. Liga der BSG Chemie Leipzig den Vortritt lassen. In dieser Saison sieht es aber besser aus. Der Tabellenzweite FC Carl Zeiss Jena II hat zwar nur 3 Punkte Rückstand auf den FSV, allerdings wird wohl die U23 der Thüringer nicht aufsteigen, da die 1. Männermannschaft in starker Abstiegsnot aus der 3. Liga ist. Beide Teams dürften dann nicht in der Regionalliga spielen. Daher richtet sich der Blick der Süd-Brandenburger eher Richtung FC International Leipzig und FC Einheit Rudolstadt, die beide mit 29 Punkten schon 9 Rückstand auf den FSV und zudem ein schlechteres Torverhältnis haben. Dennoch ist der Aufstieg kein Selbstläufer, am letzten Spieltag verloren die Luckenwalder nämlich mit 1:3 gegen den Viertletzten VfB Krieschow und zeigten Nerven. Grund genug, den Cheftrainer der Luckenwalder ein paar Fragen zu stellen.


Interview mit Jan Kistenmacher

Vi Tva Sports: Jan, es war ein ereignisreicher Winter im mitteldeutschen Fussball. Ein Rückzug und eine Insolvenz… Was hältst du vom Rückzug des VfL 05 Hohenstein-Ernstthal?
Jan Kistenmacher: Ein Rückzug ist immer ärgerlich. In erster Linie für den betroffenen Verein aus HOT, gleich danach sicherlich auch für uns, denn dadurch werden uns drei Punkte im Aufstiegsrennen abgezogen, welches unseren direkten Mitbewerbern natürlich in die Karten spielt, da diese keine oder nur einen Punkt gegen HOT entführen konnten. Die Tabelle wird wieder enger. Und zu guter letzt ist es auch für den Relegationsgegner FC Anker Wismar sehr ärgerlich, da diese im Duell im Abstiegskampf im vergangenen Sommer das Nachsehen hatten.

Der FSV Luckenwalde ist für sein solides Wirtschaften bekannt, wie denkst du über die anstehende Insolvenz des FSV Wacker Nordhausen und meinst du, es wird Konsequenzen für deren 2. Mannschaft in eurer Liga haben?
Ich würde mich freuen, wenn der Insolvenzverwalter einen guten Job macht und drücke Wacker Nordhausen die Daumen.

Reden wir doch jetzt einmal über den FSV 63. Jan, erzähle unseren Lesern doch einmal, wie zufrieden du mit der Hinrunde des FSV 63 bist?
Unsere Hinrunde haben wir erneut – wie im Jahr zuvor – mit einem überragenden Ergebnis absolviert. Ich denke, die Mannschaft hat zudem im Vergleich zum Vorjahr nochmal qualitativ zugelegt. Der Lohn ist die Herbstmeisterschaft und nach wie vor eine aktive Rolle im Landespokal. 

Euch hat in der Liga jeder als Favorit gesehen, inwieweit war das auch eine Bürde für euch? Und wie geht ihr damit in der Rückrunde um, wenn der „Aufstiegsdruck“ sogar noch eher zunehmen statt abnehmen wird?
Druck spielt immer eine Rolle. Er hält aber auch unser Verhalten in gang. Bislang sind wir sehr gut mit dem Druck zurecht gekommen und haben entsprechende Ergebnisse erzielt; wenn auch mal gelegentlich etwas glücklich. Um auch in der Rückrunde erfolgreich zu bleiben, verstärken wir den Kader punktuell quantitativ und qualitativ. Dabei bleiben wir stets auf dem Boden und verlieren nie unseren Budgetrahmen aus den Augen. Ich denke, wir können mit unseren vier Neuzugängen sehr zufrieden sein. Präsident, Schatzmeister und Manager haben einen enormen Anteil daran.

Welches dein Hinrundenhighlight war, brauchen wir wohl nicht zu fragen, aber lass uns doch noch einmal an eurem Erfolg im AOK Landespokal gegen den FC Energie Cottbus teilhaben.
Ich denke, wir haben einen richtig guten Tag erwischt. Von der Einstellung und Motivation über eine gezielte Vorbereitung und Analyse des Gegners hin zu einer geschlossenen Mannschaftsleistung, bei der jeder an und teilweise sogar über seine Grenzen ging. Das zeigt den Charakter der Mannschaft.

Am 28. März steht das Halbfinale gegen FSV Union Fürstenwalde an. Vor heimischem Publikum könnt ihr den Traum eures Kapitäns näherkommen. Marcel Hadel würde ja gerne im DFB-Pokal spielen, das hätte seinen Reiz, oder?
Natürlich will ich alles dafür tun, dass unser Kapitän seinen Traum erfüllt bekommt. Ich denke, alle wünschen sich das. Es geht aber leider nicht darum, sich etwas zu wünschen, sondern es geht darum, etwas zu wollen! Den Sieg zu wollen, alles dafür zu tun und gleichzeitig alles zu unterlassen, was dem entgegen steht. Es ist noch ein sehr langer Traum, wir haben es aber selbst in der Hand, aufzuwachen oder weiter darin zu bleiben. 

Bist du eigentlich traurig, dass es keine Derbys gegen den Ludwigsfelder FC gibt? (und wohl auch nicht in der nächsten Saison)
Wir pflegen zu unserem Nachbarn LFC ein freundliches und nachbarschaftliches Verhältnis. Ich tausche mich weiterhin, auch wenn wir nicht mehr der selben Liga angehören, mit dem Trainer Volker Löbenberg aus. Wir haben ja auch bereits vor unseren Pokalspielen ein Testspiel absolviert und ich denke, es wird nicht das letzte gewesen sein. Darüber hinaus zeigt sich unser gutes Verhältnis zum LFC auch beim Wintertransfer von Dennis Nüsse. Das ging alles komplikationslos über die Bühne.

Was hältst du eigentlich von einer Glatzenwette bei einem Aufstieg? #zwinker
Ich bin grundsätzlich immer für eine Wette zu haben. Berufsbedingt ist es mir – in diesen Fall Gott sei dank – jedoch gar nicht gestattet, eine Glatze zu tragen. Über alles andere können wir gerne sprechen. 😉

Vielen Dank Jan für deine Zeit! Wir wünschen dir und deinem Team viel Erfolg für die Rückrunde und natürlich einen starken Willen, um den Aufstieg zu absolvieren. Auf die Wette kommen wir natürlich mit einer alternativen Idee auf dich zurück, in diesem Falle.

>